Flug gestrichen am BER: Wer zahlt Hotel und Transfer?
Zuletzt geprüft: August 2026
Wenn Ihr Flug am BER annulliert wird oder ein Streik den Betrieb lahmlegt und die Ersatzbeförderung erst am Folgetag möglich ist, muss die Fluggesellschaft Ihnen eine Übernachtung und den Transfer zwischen Flughafen und Hotel bezahlen. Dieser Anspruch besteht auch dann, wenn die Airline nichts für die Störung kann, etwa bei Unwetter oder Streik Dritter. Die Ausgleichszahlung von 250 bis 600 € ist davon unabhängig und entfällt bei außergewöhnlichen Umständen.
Das Wichtigste in Kürze
- Hotel und Transfer schuldet die Airline auch bei Streik und Unwetter; nur die Ausgleichszahlung von 250 bis 600 € entfällt bei außergewöhnlichen Umständen.
- Organisiert niemand etwas, buchen Sie selbst in angemessenem Rahmen, sammeln alle Belege und fordern die Kosten schriftlich zurück.
- Wegen des Nachtflugverbots von 0 bis 5 Uhr und der Sperre für planmäßige Flüge ab 23:30 Uhr wird aus einer Abendstörung am BER fast immer eine Übernachtung.
- Fußläufig mit 24-Stunden-Rezeption sind Steigenberger (ca. 50 m) und IntercityHotel (ca. 300 m); als Rückfallebene bleiben NapCabs, die letzten S9- und FEX-Fahrten sowie der Nachtbus N7.
Betreuungsleistungen: der Anspruch, der fast immer gilt
Grundlage ist Art. 9 der Verordnung (EG) Nr. 261/2004, der sogenannten Fluggastrechteverordnung. Sie gilt für alle Abflüge von einem EU-Flughafen, also für jeden Start am BER, unabhängig von der Airline. Die Fluggesellschaft schuldet Ihnen kostenlos:
- Mahlzeiten und Erfrischungen in angemessenem Verhältnis zur Wartezeit,
- eine Hotelunterbringung, wenn ein Aufenthalt von einer oder mehreren Nächten nötig wird,
- den Transport zwischen Flughafen und Unterkunft,
- zwei Telefonate, E-Mails oder Faxe.
Die Betreuung setzt bei Verspätungen gestaffelt ein: ab 2 Stunden bei Flügen bis 1.500 km, ab 3 Stunden bei innergemeinschaftlichen Flügen über 1.500 km und anderen Flügen zwischen 1.500 und 3.500 km, ab 4 Stunden bei allen weiteren Strecken. Das Hotel kommt hinzu, sobald der Abflug erst am nächsten Tag stattfindet. Bei Annullierung und Nichtbeförderung gilt die Betreuungspflicht ohnehin.
Entscheidend ist: Der Europäische Gerichtshof hat im Fall McDonagh gegen Ryanair (C-12/11) klargestellt, dass diese Betreuungspflicht weder zeitlich noch finanziell begrenzt ist und auch bei außergewöhnlichen Umständen bestehen bleibt. Wer bei Streik oder Schneechaos am Schalter hört, es gebe „wegen höherer Gewalt“ kein Hotel, bekommt eine falsche Auskunft.
Betreuung und Ausgleichszahlung sind zwei verschiedene Dinge
Die Ausgleichszahlung nach Art. 7 beträgt 250 € bis 1.500 km, 400 € bei innergemeinschaftlichen Flügen über 1.500 km sowie anderen Flügen zwischen 1.500 und 3.500 km und 600 € darüber hinaus. Sie entfällt, wenn die Annullierung auf außergewöhnliche Umstände zurückgeht. Das Hotel entfällt deshalb nicht.
| Ursache der Störung | Hotel und Transfer (Art. 9) | Ausgleichszahlung (Art. 7) |
|---|---|---|
| Streik des Flughafen- oder Sicherheitspersonals | ja | in der Regel nein |
| Streik der Fluglotsen | ja | in der Regel nein |
| Streik der eigenen Crew der Airline | ja | in der Regel ja (EuGH C-28/20) |
| Unwetter, Schnee, Sturm | ja | nein |
| Technischer Defekt am Flugzeug | ja | in der Regel ja |
| Personalmangel oder Umlaufplanung der Airline | ja | ja |
Ein Hinweis zur Rechtslage: Die EU hat 2026 eine Reform der Fluggastrechteverordnung beschlossen. Sie gilt voraussichtlich erst ab Herbst 2027 und sieht unter anderem vor, die Übernahme von Hotelkosten grundsätzlich auf drei Nächte zu begrenzen, mit Ausnahmen für besonders schutzbedürftige Reisende. Bis dahin gilt das bisherige Recht unverändert.
Wenn die Airline nichts organisiert
In Störungsnächten sind die Servicecounter am BER erfahrungsgemäß überlastet. Sie dürfen dann selbst buchen und die Kosten zurückfordern. Drei Punkte entscheiden über den Erfolg:
- Angemessenheit. Erstattet wird, was unter den Umständen vernünftig ist, also ein normales Zimmer in Flughafennähe, keine Suite. Am BER liegen die Ab-Preise der fußläufigen Häuser bei etwa 90 bis 120 €.
- Belege. Heben Sie Hotelrechnung, Taxi- oder Ticketquittungen und Restaurantbelege auf. Ein Screenshot der Anzeigetafel oder der Airline-Nachricht dokumentiert, dass keine Unterbringung angeboten wurde.
- Schriftliche Forderung. Fordern Sie die Erstattung per E-Mail oder Formular mit Buchungsnummer, Flugnummer und Datum an und setzen Sie eine Frist.
Was nicht ersetzt wird
Das nicht stornierbare Hotel am Zielort fällt nicht unter Art. 9. Die Betreuungspflicht deckt nur die Wartezeit am Abflug- oder Umsteigeort ab. Solche Folgeschäden lassen sich allenfalls über das Montrealer Übereinkommen geltend machen, dort aber nur konkret beziffert und nachgewiesen, nicht pauschal. Praktisch hilft hier eher eine Reiserücktritts- oder Reiseabbruchversicherung. Ebenfalls nicht erstattungsfähig sind Verdienstausfall, verpasste Termine oder frei gewählte Komfortleistungen.
Warum am BER aus einer Störung fast immer eine Übernachtung wird
Am BER gilt ein absolutes Flugverbot zwischen 0 und 5 Uhr, dazu deutliche Einschränkungen in den Nachtrandzeiten von 23 bis 24 Uhr und von 5 bis 6 Uhr. Planmäßige Starts und Landungen sind zwischen 23:30 und 5:30 Uhr nicht zulässig, für besonders laute Flugzeuge gilt die Sperre von 22 bis 6 Uhr. Verspätete Landungen mit planmäßiger Ankunft vor 23:30 Uhr sind bis Mitternacht möglich, verspätete Abflüge bis Mitternacht praktisch nur bei Interkontinentalstrecken. Einzelfallausnahmen erteilt die gemeinsame obere Luftfahrtbehörde Berlin-Brandenburg (LuBB).
Für Sie heißt das: Ein europäischer Abendflug, der um 23:30 Uhr noch am Boden steht, geht an diesem Tag nicht mehr weg. Die Ersatzbeförderung startet frühestens am nächsten Morgen. Wie schnell das viele Menschen gleichzeitig trifft, zeigte der Warnstreik am 18. März 2026, bei dem der Passagierflugbetrieb am BER ruhte: betroffen waren rund 445 Flugbewegungen mit etwa 57.000 Passagieren.
Nachts noch ein Zimmer finden
Am schnellsten sind die beiden Häuser direkt am Terminal 1, beide mit durchgehend besetzter Rezeption: das Steigenberger Airport Hotel Berlin in rund 50 m Entfernung (1–3 Min. zu Fuß, ab ca. 120 €) und das IntercityHotel Berlin Airport BER Terminal 1+2 in rund 300 m Entfernung (2–5 Min. zu Fuß, ab ca. 90 €). Sind beide belegt, lohnt der Blick auf den zweiten Ring.
| Hotel | Entfernung | Hinweis |
|---|---|---|
| Holiday Inn Berlin Airport Conference Centre | ca. 3 km | 24-Stunden-Rezeption |
| Holiday Inn the niu Pax Berlin Airport | ca. 3 km | 24-Stunden-Rezeption |
| Moxy Berlin Airport | ca. 3,1 km | Shuttle ca. 3,50 € pro Fahrt, ca. 3:30–0:30 Uhr |
| Campanile Berlin Brandenburg Airport | ca. 3,4 km | 24-Stunden-Rezeption |
| Premier Inn Berlin Airport | ca. 4,5 km | 24-Stunden-Rezeption |
| MEININGER Hotel Berlin Airport | ca. 5 km | 24-Stunden-Rezeption |
| ibis Berlin Airport | ca. 5 km | 24-Stunden-Rezeption |
| LOGINN Hotel Berlin Airport | ca. 6 km | 24-Stunden-Rezeption |
Das B&B Hotel Berlin-Airport hat keine durchgehend besetzte Rezeption, werktags endet die Besetzung gegen 22 Uhr. Eine Anreise mitten in der Nacht ist trotzdem möglich, weil ein Self-Check-in-Automat mit Zugangscode bereitsteht. Mehr zu diesem Thema in unserem Ratgeber Späte Ankunft am BER.
Wenn alles ausgebucht ist
Im Terminal 1 auf Ebene U1 stehen im öffentlichen Bereich vor der Sicherheitskontrolle vier NapCabs, kompakte Schlafkabinen mit Bett und abschließbarer Tür. Der Nachttarif liegt bei 12 € pro Stunde (22 bis 6 Uhr), tagsüber sind es 17 € pro Stunde, abgerechnet wird minutengenau bei einem Mindestumsatz von 34 € (Mo–Sa) beziehungsweise 44 € (So und Feiertage).
Alternativ fahren Sie in die Stadt. Montags bis freitags fährt die S9 um 0:19, 0:39 und 0:59 Uhr Richtung Westkreuz sowie um 1:19 Uhr Richtung Ostbahnhof. Der FEX (Flughafen-Express) fährt um 23:31, 0:01 und 0:31 Uhr, danach nachts stündlich um 1:22 und 2:22 Uhr und wieder ab 4:01 Uhr. Der Nachtbus N7 verkehrt durchgehend alle 30 Min. Richtung U-Bahnhof Rudow. Ein Taxi nach Berlin-Mitte kostet ab etwa 60 €, meist 60 bis 70 €; einen Nachtzuschlag gibt es in Berlin nicht.
Wenn die Airline nicht zahlt
Lehnt die Fluggesellschaft die Erstattung ab oder reagiert sie nicht, ist die söp (Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr) der übliche nächste Schritt. Das Verfahren ist für Passagiere kostenlos. Voraussetzung ist, dass Sie sich zuvor direkt an die Airline gewandt haben, dass der Streitwert 5.000 € nicht übersteigt und dass kein Gericht mit der Sache befasst ist. Die Airline muss der söp angeschlossen sein. Ist sie es nicht, greift die Schlichtungsstelle Luftverkehr beim Bundesamt für Justiz, die für Verbraucheranliegen zwischen 10,01 und 5.000 € zuständig ist; Geschäftsreisen sind ausgenommen. Verstöße gegen die Verordnung nimmt zusätzlich das Luftfahrt-Bundesamt als nationale Durchsetzungsstelle entgegen.
Dieser Text ist eine Orientierung, keine Rechtsberatung. Im Streitfall helfen die genannten Schlichtungsstellen oder eine anwaltliche Beratung weiter.
Häufige Fragen zu diesem Thema
Muss ich das Hotel selbst buchen, wenn die Schlange am Servicecounter zu lang ist?
Ja, das ist zulässig. Die Airline bleibt zur Betreuung verpflichtet, auch wenn sie faktisch niemanden erreichbar hat. Versuchen Sie zuerst kurz, ein Angebot der Airline zu bekommen (App, Hotline, Counter), und dokumentieren Sie den Versuch mit Screenshot oder Foto der Warteschlange. Buchen Sie dann ein Zimmer im üblichen Preisrahmen der Flughafenhotels und heben Sie die Rechnung auf. Erstattet werden Kosten, die unter den Umständen angemessen und notwendig waren. Ohne Nachweis, dass keine Unterbringung angeboten wurde, wird die Prüfung deutlich schwieriger.
Zahlt die Airline auch die Fahrt zwischen Flughafen und Hotel?
Ja. Art. 9 nennt ausdrücklich den Transport zwischen Flughafen und Unterkunft, und zwar in beide Richtungen. Bei einem Hotel in 50 bis 300 m Entfernung entsteht dabei kein Kostenpunkt. Liegt das freie Zimmer 3 bis 6 km entfernt, sind Shuttle, Bus oder Taxi erfasst, sofern kein zumutbares kostenloses Angebot bestand. Der Hotelshuttle des Moxy Berlin Airport kostet zum Beispiel ca. 3,50 € pro Fahrt und verkehrt nur bis etwa 0:30 Uhr. Quittungen aufheben.
Wie lange muss die Airline das Hotel bezahlen, wenn ein Streik mehrere Tage dauert?
Nach geltendem Recht so lange, bis Sie tatsächlich zu Ihrem Ziel befördert werden. Der Europäische Gerichtshof hat eine zeitliche oder betragsmäßige Obergrenze ausdrücklich abgelehnt, auch bei mehrtägigen Ausnahmelagen. Praktisch prüft die Airline dabei die Angemessenheit jeder einzelnen Nacht. Wichtig für die Planung: Die 2026 beschlossene EU-Reform sieht künftig eine Begrenzung auf drei Nächte vor, mit Ausnahmen für besonders schutzbedürftige Reisende. Sie gilt aber voraussichtlich erst ab Herbst 2027, für heutige Störungen bleibt es bei der unbegrenzten Betreuungspflicht.
Quellen
- Verordnung (EG) Nr. 261/2004, Art. 5, 7 und 9 (EUR-Lex) – geprüft am 21.08.2026
- EuGH, Urteil vom 31.01.2013, C-12/11 (McDonagh gegen Ryanair) – geprüft am 21.08.2026